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Als der Sportbetrieb schon einmal ruhte

Die Kriegspostkartensammlung des TV Lemgo von 1914-1917

Vom 13. März an abends ruhte mit einem Schlag der Turn- und Sportbetrieb in Lemgo – so auch in unserem TV. Auch ältere Turn- und Sportfreunde dürften sich kaum noch erinnern können, wann dies das letzte Mal der Fall war. Tatsächlich mussten traditionsreiche Vereine wie der Unsrige schon öfters den Turnbetrieb unterbrechen. Überwiegend war dies zu Kriegszeiten der Fall. So löste sich in der Zeit der deutschen Einigungskriege 1870 – vor 150 Jahren – die letzte noch aktive Gruppe im Turnverein – die „Feuerwehr-Turn-Abteilung“ – aus dem Verein heraus und wurde als „Freiwillige Feuerwehr“ selbstständig, derweil unser Verein sechs Jahre brauchte, um wieder auf die Beine zu kommen. Auch in den letzten beiden Jahren der Weltkriege erstarb das Vereinsleben, nachdem man zuvor noch versucht hatte, den Turn- und Sportbetrieb mit Schülern und Frauen aufrecht zu erhalten. So fand etwa noch 1916 ein großes Schauturnen der Frauen-Abteilung für die Soldaten des Lazaretts in Lemgo statt.

Um den Kontakt mit den eingezogenen Sportlern nicht vollständig zu verlieren, schickten die Vereine in Zeiten ohne YouTube und Internet zumindest in den ersten Kriegsjahren kleine Hilfspakete an die Front, die überwiegend lippische Zigarren enthielten. Als Dank hierfür kamen eine ganze Reihe von Kriegspostkarten an den Lemgoer Vereinsvorsitzenden und Lehrer Fleege sowie den Turnwart und Gastwirt Bernhard Mayr zurück.

Die Karten enthalten überwiegend Danksagungen und Grüße, doch mancher Schreiber ermöglichte auch einen tiefen Einblick in seinen Kriegsalltag. Wir erfahren auch, dass einige Lemgoer Turner bei der weltbekannten Verbrüderung britischer und deutscher Armeeeinheiten zu Weihnachten 1914 dabei waren. Ein Turner namens Blübaum erwähnte in diesem Zusammenhang gegenseitige Besuche in den Schützengräben, die oft mit Tauschhandel von Zigaretten und Lebensmitteln sowie ausführlichen Gesprächen (viele englische Soldaten sprachen deutsch) einhergingen. Auch die zwischen den Schützengräben meist schon wochenlang liegenden Toten wurden gemeinsam geborgen und beerdigt. Nach Weihnachten jedoch, so schrieb der Turner Böhmer, „ging die Schießerei von neuem los…“

Als 1917 die Versorgungslage in Deutschland zunehmend zusammenbrach, wurden auch die Briefe weniger.

Florian Lueke

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